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Die Herausforderungen natürlicher Wendepunkte für die Paarbeziehung

Krisen und Wendepunkte gehören zu unserem Leben. Ein entscheidender Unterschied ist, ob diese Wendepunkte vorhersehbar sind oder nicht. Vorhersehbare Wendepunkte sind z.B. Auszug aus dem Elternhaus, Heirat, Geburt von Kindern, Auszug der Kinder, Ruhestand. Daneben gibt es unvorhersehbare Wendepunkte. Das können z.B. Krankheiten, Außenbeziehungen, Trennungen oder Kündigungen sein.

Dieser Text beschäftigt sich mit den vorhersehbaren Wendepunkten, deren Auswirkung für die Paarbeziehung oft unterschätzt werden. Auch wenn die natürlichen Wendepunkte meist positiv sind, wie z.B. die Heirat oder die Geburt eines Kindes, können sie das Paar in eine Krise stürzen, denn die Veränderung führt oft zu Verunsicherung und zu Ambivalenz, d.h. ein Teil von uns hält an der vorherigen Lebensphase fest, ein Teil ist schon in der neuen Lebensphase angekommen. Das Paar muss sich erst in den Rollen und der neuen Lebenssituation zurechtfinden und den Übergang meistern.

Hans Jellouschek (Wie Liebe, Familie und Beruf zusammengehen, 2006) unterscheidet in seinem Lebenszyklus-Modell vier Jahreszeiten des Paares, die alle unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen: Im Frühling ist das Paar jung und kinderlos, muss sich aus dem Elternhaus lösen und ein gemeinsamen Leben aufbauen. Der Sommer bezeichnet die Familienphase, in der aus der Zweierbeziehung eine Dreierbeziehung wird. Der Herbst ist die Nach-Familienphase, wenn die Kinder ausziehen und die Eltern sich wieder neuen Aufgaben und Aktivitäten zuwenden. Der Winter beschreibt die Phase des alten Paares, in der die Partner einer nach dem anderen in Ruhestand gehen und Fürsorgeaufgaben für den anderen übernehmen.

Veränderung bedeutet erst einmal Verlust von Stabilität und Sicherheit. Oft bedeutet es auch, etwas zurückzulassen. Durch eine Hochzeit lässt man z.B. sein Junggesellenleben zurück, man ist nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für einen anderen Menschen. Das wird noch deutlicher durch die Geburt eines Kindes, denn durch Elternschaft geht man eine unwiderrufliche Verantwortung für andere ein. Der Auszug der Kinder führt für manche Eltern, v.a. wenn sie sich auf die Familienverantwortung konzentriert haben, zu einer Identitätskrise. Wenn die oder derjenige, der die Familienverantwortung getragen hat, wieder beginnt zu arbeiten, oder sich andere Aktivitäten sucht, kann das auch für den Partner zu großen Veränderungen führen.

Wie geht man nun mit solchen natürlichen Wendepunkten um? Es ist wichtig, sich überhaupt erst einmal bewusst zu machen, dass es sich um Wendepunkt oder Krisen handelt, die mit Instabilität einhergehen. Vielleicht sind sie nicht nur mit einem Gewinn verbunden, sondern es geht auch etwas Wichtiges verloren. Es entlastet, sich das offen einzugestehen und sich nicht dafür zu verurteilen, wenn man z.B. als Mutter den Job und die damit verbundenen Anerkennung oder die Zeit für sich vermisst. Es hilft, Das, was man zurücklassen muss, zuerst einmal zu würdigen und bewusst mit dieser Lebensphase abzuschließen. Damit sind wir eher bereit für die Veränderungen, die anstehen. Rituale helfen dabei, so sind z.B. auch der Junggesell*innenabschied und die Hochzeit hilfreich, um den Abschied und Neubeginn zu begleiten. Für andere Übergangsphasen fehlen solche kulturellen Rituale oft. Es macht Sinn, sich eigene Rituale zu überlegen, z.B. zum Auszug der Kinder.

Die Zeit, die jemand für den Übergang in eine neue Lebensphase benötigt, ist individuell. Auch das kann bei Paaren zu Konflikten führen – während die eine schon in der neuen Lebensphase angekommen ist, hängt der andere noch an Gewohnheiten der früheren Phase fest. Es ist wichtig, dem Partner Zeit zu geben, den Übergang in seinem Tempo zu meistern, Verständnis zu zeigen dafür, dass er oder sie das Bisherige, Bewährte noch festhält.

Die neue Lebensphase führt zu Veränderungen im Paar- oder Familiensystem. Die Rollen und die Ressourcen (z.B. Möglichkeit, Anerkennung und Wertschätzung zu erlangen, Zugang zu Kontakten außerhalb der Familie, finanzielle Unabhängigkeit, etc.) ändern sich. Diese Veränderungen wirken sich auf die Beziehung zueinander aus. Das bedeutet, dass das Beziehungsmodell gemeinsam neu definiert werden muss. Hilfreich ist es, gemeinsam ein Zukunftsbild zu entwerfen. Der gemeinsame Blick in die Zukunft schafft Zuversicht und Verbundenheit.

Wenn diese natürlichen Wendepunkte nicht als Herausforderung für die Paarbeziehung erkannt werden und gemeinsam bewusst überwunden werden, können sie zur echten Krise für die Paarbeziehung werden. Gerne unterstütze ich Sie bei der Bewältigung der natürlichen Wendepunkte. Kontaktieren Sie ich über kontakt@refokus.de.



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